Sonntag, 7. April 2013

Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts - Susann PÁSZTOR

Quelle: Handykamera


„Ich habe einen Mann kennen gelernt. Ich habe ihn ein Stück im Auto mitgenommen, und wir sind irgendwann in seinem Hotelzimmer gelandet. Es war großartig.“

„Das ist eine sehr ungewöhnliche Fortsetzung für ein Schweigeseminar.“

„Fand ich auch. Und jetzt sitze ich auf dem Dach und heule den Mond an.“
(Quelle: Klappentext)











Wenn man mit falschen Erwartungen an ein Buch herangeht, gibt es zwei mögliche Ausgänge. Erstens: man wird positiv überrascht und liebt das Buch, so wie es ist. Zweitens: Man findet einfach alles falsch.

In meinem Fall ist es der zweite Weg. Der Klappentext ist ja irgendwie nichtssagend, die Beschreibung beim großen Fluss gibt da schon etwas mehr preis:


Ein Schweigeseminar, ein faszinierender Mann, eine große Liebe
Das Schweigewochenende, das Mila auf Anraten ihrer Therapeutin besucht, wird zu einer echten Herausforderung: seltsame Menschen, die man nur stumm betrachten kann, unbequeme Sitzpositionen, exotische Anleitungen. Dazu die Stille, die so viele unerwünschte Einsichten bereithält. Und dann noch dieser Simon, der Mila überredet, ihn nach dem Seminar ein Stück mit dem Auto mitzunehmen. Dass die Stille sie direkt in ein Hotelzimmer führen würde, haben die beiden nicht erwartet. Sie verbringen dort drei leidenschaftliche Tage und Nächte, begegnen sich mit rückhaltloser Offenheit und lassen sich ganz aufeinander ein. Und als sie sich so nah gekommen sind wie niemandem zuvor, beschließen sie, für immer auseinanderzugehen. Susann Pásztor erzählt einfühlsam, witzig und mit psychologischem Gespür von der großen Liebe – und von einer Frau, die alles daransetzt, damit sie doch nicht endet
(Quelle: amazon.de)


Ach, was hatte ich hohe Erwartungen. Eine einsame junge Frau, Mitte bis Ende zwanzig, die ihre große Liebe findet, als sie an diesem Schweigeseminar teilnimmt.
Leider kam alles anders.

Mila ist schon 39, wofür man ihr nun wirklich keinen Vorwurf machen kann. Sie hat in ihrem Leben wirklich gar nichts im Griff. Eine unaufgeräumte Wohnung, keinen Job, keine Freunde, in zehn Jahren nur etwa acht Mal telefonischen Kontakt zu ihrem kleinen Bruder. Dafür allerdings Termine mit ihrer Therapeutin, im Zwei-Wochen-Takt. Diese hat sie ja auch zu dem Schweigeseminar geschickt.

Das Buch ist in drei Teile geteilt. Im ersten Teil berichtet von dem Seminar, es beginnt Freitagnachmittag und endet Sonntagmittag. Sie beschreibt die Meditationssitzungen, hierbei besonders ausführlich ihre Gedankengänge und ihre unbequemen Sitzpositionen. Sie gibt – reif, wie sie mit 39 Jahren ist – allen Teilnehmern des Seminars (10 Frauen und 8 Männer insgesamt) Spitznamen wie „Namevergessen“ oder „Club der Yogamuttis“, „Clint Eastwood“, usw.
Im zweiten Teil erleben wir das Abenteuer Sex im Hotel von Mila und Simon. Hier hat Frau Pásztor ein für mich schreckliches Tabuthema angesprochen: Fremdgehen. Eine absolute Todsünde (wer mich betrügt, kriegt mit einem stumpfen Messer den Schnie*** abgeschnitten!). Am Ende der drei Tage entscheiden sie sich jedoch dafür, einander in Zukunft aus dem Weg zu gehen. Keine Handynummer, keine E-Mail-Adressen und auch sonst keinen Kontakt.
Im dritten Teil begleiten wir Mila, wieder daheim angekommen, auf ihrer Suche nach Simon, den sie jetzt doch unbedingt wiedersehen will, ist er doch ihre große Liebe.

Über die Sache mit dem Alter hätte ich wirklich großzügig hinwegsehen können, wenn Mila sich zumindest altersgemäß verhalten würde, doch kam sie mir ständig jünger vor, von ihrer Art und Ausdrucksweise her hätte ich sie wirklich mehr in mein Alter (ich bin 26) und manchmal noch jünger eingeordnet und nicht 13 Jahre älter. Dass sie außer ihrer Therapeutin nichts im Leben hat, ist ziemlich traurig, aber irgendwie ist sie da auch selbst dran Schuld. Mit nem Job wäre sie zumindest tagsüber mal unter Leuten, würde Kontakte knüpfen und aus ihren Gedanken herauskommen.

Auf die Sache mit dem Fremdgehen werde ich hier nicht weiter eingehen, wer mich kennt, kennt meine Einstellung dazu. Naja, und ich hab sie oben auch genannt.

Vielleicht bin ich unfair, weil das Buch schließlich nichts für meine falschen Vorstellungen kann, aber es war einfach alles falsch und so wie es war, hat es mir leider gar nicht gefallen. Lediglich das Ende hat es von einer ganz schlechten Benotung zu einer mittelmäßigen gerettet.

2,75 von 5 Punkten

 Trotzdem danke ich Blogg dein Buch und dem Kiepenhauer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar.

Kaufen man das Buch dann hier.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen