Donnerstag, 5. Juli 2012

Nie genug - Melanie HINZ

schlechte Quali, hab den iPod fotografiert
Schokolade zum Frühstück ist kein Dauerzustand gegen allgemeinen Frust. Und von attraktiven Männern beim Kauf selbiger über den Haufen gerannt zu werden, verdoppelt die Frustration nur. Vor allem, wenn man dabei so aussieht, als wäre man gerade aus dem Bett gestiegen, weil man das genau genommen sogar ist.
Doch was passiert, wenn sich dieser Mann als guter Freund der ehemals besten Freundin rausstellt und man ihn ausgerechnet dann wieder trifft, wenn man gerade keine Hose trägt? Kann es noch schlimmer kommen? Offensichtlich, denn jetzt will mir dieser Kerl namens Sam erzählen, er fände mich sexy. Mich, Emma Lennartz. Die heimlich erotische Romane schreibt und in der Realität alles andere als eine Sexbombe ist. Der Typ muss den Verstand verloren haben.
(Quelle: amazon)


Ich habe mich so gefreut, als ich am Sonntag eine Mail der Autorin in meinem Emailpostfach fand, in der sie mich fragte, ob ich ihr Buch lesen und rezensieren wollte. Zuerst dachte ich „Erotik? Ich? Nee, ich glaube nicht.“ Aber dann hat mich die Neugierde gepackt und ich habe mir das Buch bei amazon angeschaut. Die Beschreibung klingt für mich im Grunde genommen wie der Klappentext eines Chick-Lit-Romans. Das Cover erinnert mich an einen Vampirroman, weil man dort eben häufig breitschultrige, muskulöse und tätowierte Männer findet. Da ich sowohl Chick-Lit als auch Vampirbücher gerne lese, dachte ich, dass es ja nicht wehtun könne, das Buch zu lesen. Wenn es ganz arg wäre, könnte ich es ja immer noch abbrechen.

Da lade ich mir also dieses eBook in meine Kindle-App auf dem iPod und beginne am Dienstag auf der Arbeit mit dem Buch. In der Mittagspause am Schreibtisch.
Da dieses ja mein erster Erotik-Roman ist, bin ich eigentlich ohne große Erwartungen an das Buch gegangen. Meine einzige wirkliche Erwartung war die, dass es sicherlich ein schriftlicher Porno mit vielen Sexszenen und wenig Story sein wird.

Doch es kam völlig anders. Emma, unsere Protagonistin hat mich in vielen Dingen an mich selbst erinnert. Wie sie trage ich Kleidergröße 44, wir beide mögen unseren Körper nicht und unser Selbstwertgefühl hat sich vor langer Zeit verabschiedet. Gut, ich schreibe nicht heimlich Erotik-Romane. Wirklich nicht.

Emma ist ein Morgenmuffel und eines Tages passiert, was passieren muss: der Kaffee ist alle. Ungewaschen, ungekämmt und in ihrer verwaschensten pinken Jogginghose geht sie rüber zum Supermarkt, um neuen Kaffee und Schokolade zu kaufen. Doch wir kennen es alle: ein Tag, der schlecht beginnt, wird meistens auch nicht besser. Emma wird von einem wilden Kerl auf dem Fahrrad beinahe umgefahren, doch er bemerkt sie gar nicht.
Wutentbrannt steht sie dann vorm Schokoladenregal und wird wiederum angerempelt – vom selben Typen. So ein unverschämter Kerl. Aber hübsch. Und wie.

Als Emma sich dann mit ihrer Klassenkameradin von früher – Nadine – nach langen Jahren ohne Kontakt trifft, nimmt das Unglück seinen Lauf. Emma trinkt zu viel und übernachtet bei Nadine, als sie mitten in der Nacht zu Nadines Kühlschrank geht, um sich ein Wasser zu nehmen (in einem T-Shirt von Nadines Mann Markus und sonst nur mit nem Schlüppi bekleidet), als ebendieser wunderschöne, sexy, aber unverschämte Kerl vor ihr steht. Der beste Freund von Markus. Ab da versucht Sam (der unverschämte Mann), Emma für sich zu gewinnen (und für sein Bett, ist ja ein erotischer Roman).

Ich habe schon mehrere Bücher gelesen, in denen die weibliche Protagonistin etwas dicker war. Im Buch wird sie meist als „total fett“ bezeichnet, dabei trägt sie gerade mal Kleidergröße 40/42. Das ist nicht fett, das ist normal, vielleicht ein wenig moppelig. Etliche Male war ich tierisch genervt von dem ständigen „ach, ich bin sooooo fett, aber ich schiebe mir auch täglich 5 kg Schokolade, drei Pizzen und sieben Maxi Menus von McDonald’s rein“ und „oh, bei jedem Schritt reiben meine Oberschenkel aneinander“ (meine Schenkel haben auch mit Kleidergröße 38 aneinander gerieben!!!) und „ich bin so fett, ich passe gar nicht in den handelsüblichen Sessel, so fett ist mein Arsch“.
Emma hingegen hat zwar auch diverse Probleme mit ihrem Körper (die ich ausnahmslos ALLE nachvollziehen kann), aber sie ist dabei sympathisch und realistisch. Sie trägt Kleidergröße 44, ich ja auch, also wird sie je nach Körpergröße etwa 80 – 85 kg wiegen. Da hat man Speckrollen und auch Orangenhaut. Wenn man sich bewegt, schwabbelt es (ich kenne das :( ... ).

Emma fühlt sich nicht hübsch und ich finde, dass es ihr nicht zu verdenken ist, dass sie nicht versteht, dass ein Mann, der ohne Probleme modeln könnte, sich ernsthaft für sie interessiert. Okay, das waren viele „dass“ in einem Satz…. Sam könnte jede Frau haben, er bräuchte nur mit dem Finger zu schnippen und hätte mindestens zehn magere, hübsche Frauen zur Stelle. Was will er mit Pummel-Emma (ich entschuldige mich hiermit bei allen kurvigen Frauen für diese Bezeichnung. Ich meine das nicht böse…)?
Ich finde es absolut nachvollziehbar, dass Emma jeden Moment auf die Explosion der Bombe wartet. „Verarscht! Aber dass du echt glaubst, ich würde DICH wollen.“

Die etwas heißeren Szenen im Buch sind… nunja hitzig. Sie sind weder schlüpfrig, noch schmierig. Ich hatte da ja doch so meine negativen Erwartungen, aber ich fand die Szenen trotz alledem sehr niveauvoll.
Womit ich allerdings bei einem „Erotik-Roman“ nie gerechnet hätte, war, dass man da auch lachen kann. Emma ist so eine tolle Person, die einen mit ihren Sprüchen oft zum Lachen bringt. Ich habe mir immer wieder Stellen markiert, die ich super fand, und es kamen dauernd neue tolle Stellen hinzu.

Eine Stelle ist diese, recht weit am Anfang, als Emma bei Nadine übernachtet und dieses Meet-Cute (Achtung, Wortklau aus dem Film „The Holiday“, zu Deutsch „Liebe braucht keine Ferien“) mit Sam in der Küche hatte – nur in T-Shirt und Schlüppi (9%, Loc. 273 in meiner .mobi Datei aufm iPod):

„Noch beim Einschlafen habe ich mir fest vorgenommen, abzuhauen, ehe die Anderen aufwachen. Als Nadine mich an der Schulter wachrüttelt, muss ich feststellen, dass ich meine Chance verpasst habe.“

Es gab noch viiiieeel lustigere Stellen, aber dafür müsste man so viel abtippen und ich will ja auch nicht endlos spoilern.

Im Großen und Ganzen fand ich, das Buch war Chick-Lit, nur waren die Bettszenen etwas (naja, sehr) detailreicher als üblich.

Das Ende vom Lied (nicht das vom Buch) ist, dass Emma sich weiter entwickelt hat, sie ist reifer geworden, selbstsicherer. Das Erlebte hat sie nicht wie in der Vergangenheit runtergezogen, sondern sie aufgebaut, auch wenn es (für die Spannung!) Tiefpunkte in Emmas Leben gab. Aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Auch das einer Erotik-Buch-Autorin nicht.

Ich möchte auch noch sagen, dass ich beim Lesen öfter den Gedanken hatte, ob Emma wohl Melanie ist. Emma ist eine Erotik-Roman-Autorin und Melanie ja eben auch. Vielleicht gibt es ja noch andere Gemeinsamkeiten? Das werden wir wohl nie erfahren.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er war lustig, locker, flüssig, manchmal auch etwas derber („Fick“, „Penner“, „Arschloch“ liest man sonst nicht so häufig), aber nie niveaulos. Die Geschichte mit diesen sehr sympathischen Charakteren hat mich so gepackt, dass aus meinem „ich lese noch ne halbe Stunde, dann geh ich schlafen“ auf einmal drei Stunden wurden und es mir vorkam, wie zehn Minuten. Insgesamt habe ich die (umgerechnet) 246 Seiten in knappen 5 Stunden gelesen, ich habe geweint, gelacht, einen roten Kopf bekommen (hey, ich war auf ner katholischen Privatschule für Mädchen…) und mich in Emma wieder erkannt.

Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben, ich habe die Hoffnung, dass es auch einen Mann in meiner Nähe gibt, der mich mit Kleidergröße 44 nicht abstoßend findet und mich vielleicht sogar ein bisschen lieben könnte.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich werde mich jetzt auch mal an erotische Romane anderer Autoren wagen, um das Genre in seiner Gesamtheit auszutesten (bin da ja quasi jungfräulich in das Buch eingestiegen) und habe festgestellt, dass ich doch ein wenig prüde bin. Ich habe mich sehr unwohl gefühlt, als ich das Buch auf der Arbeit gelesen habe. Dann lieber abends im Bett.

Ich danke der Autorin noch mal herzlichst dafür, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat. Einen treuen Leser hat sie dadurch gewonnen, ich hoffe, es gibt bald Neues von ihr.

5 von 5 Sternen

Kommentare:

  1. Awww, ich freu mich immer mehr das Buch weiter zu lesen^^ Gerade weil das, was sie über ihren Körper sagt, also genau das jammer ich auch rum wennsch nicht gut drauf bin^^

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  2. Wow, das hört sich aber gut an. :) Deine Rezi ist echt gut geworden, klasse. :)

    LG!
    Lydia

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    1. Danke schön. Ich bin nicht zufrieden mit der Rezi, freue mich aber trotzdem über dein Lob :-)

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  3. Ich kann nicht verstehen, dass du mit der Rezi nicht zufrieden bist, die ist doch super :)
    LG, Josi <3

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  4. Mir gefällt die Rezi auch gut und meine Meinung zu dem Buch kennst du ja schon ;o)

    LG Andrea

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