Montag, 13. Februar 2012

Schattenkind - Valerie BLUMENTHAL

Hier stimmt etwas nicht – so lange kann man ein Kleinkind nicht allein lassen. Keine Spur von der Mutter unter den gleichgültigen Passanten. Sie bleibt zögernd bei dem Kind stehen. Und dann passiert es. Das Lächeln des Kindes ist ein strahlend heller Blitz. Innerhalb dieser wenigen Sekunden ist die Verwandlung vollzogen. Aus Isabella ist eine andere Frau geworden, und tief in sich spürt sie ein in seiner Intensität fast schmerzhaftes Sehnen. Weitere Minuten vergehen, in denen sie einer Entscheidung noch ausweicht. Und plötzlich ist es, als katapultiere sie jemand vorwärts – Isabella geht mit eiligen Schritten davon, schiebt den Kinderwagen in Richtung Auto. Jeden Moment erwartet sie eine Hand auf ihrer Schulter: Entschuldigen Sie, aber was glauben Sie eigentlich, was Sie… Erst jetzt bemerkt Isabella das Pflaster auf der Stirn der Kleinen. Sie kniet vor dem Kind und starrt es schockiert an. Die Beine sind über und über mit Blutergüssen bedeckt. In diesem Moment sieht sie den Zettel. Ihr Name ist Hannah. Suchen Sie nicht nach mir. Als sie diesmal ihre Entscheidung trifft, tut sie es nicht kopflos wie beim ersten Mal, sondern in der nüchternen Überzeugung, so und nur so handeln zu können.

Im Großen und Ganzen hat mir das Buch gut gefallen, allerdings fand ich einige Sachen doch störend. Zum einen ist da dieser komische Sprachstil, der aber vielleicht auch an der Übersetzung liegen kann, aber ich mag diese „halben Sätze“ nicht. Zum Beispiel steht da „Spricht mit der Katze, mit sich selbst […]“ Es heißt SIE spricht mit der Katze etc. Und Isabella, die einen italienischen Vater hat, sagt andauernd „Madre“. Das hat mich schon recht schnell genervt, aber vielleicht bin ich da auch etwas zu kritisch. Außerdem stört mich, dass andauernd die Rede von „dem Kind“ ist. Das Kind tut dies, das Kind tut das. Das Kind hat einen Namen, Himmelherrgott noch mal!
Zum Inhalt muss ich sagen, dass Isabella dieses Kind mitnimmt, mit dem Gedanken, das Mädchen zur Polizei zu bringen. Ehrenhaft. Sie geht dann nicht zur Polizei, sondern verstrickt sich in ein Lügengerüst, von „mein Patenkind, also das Kind meiner Schwester“ über „mein eigenes Kind“ bis hin zu „mein adoptiertes Kind“. Ich habe das ganze Buch über überlegt, wie sie denn irgendwann mal mit dem Kind zum Arzt will, wie sie das Kind an der Schule anmelden will, etc. Es gibt ja keine Geburtsurkunde, keine Adoptionspapiere, nichts.
Das Ende des Buches war für mich sehr unerwartet. Ich habe nie wirklich über das potentielle Ende nachgedacht, aber damit hab ich nicht gerechnet. Die Geschichte hat mich gepackt, sie war spannend und ich konnte auch Isabellas Beweggründe gut nachvollziehen. Aber die oben schon bemäkelten Dinge haben meinen Lesespaß geschmälert.

3 von 5 Sternen

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